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Kultur

Chile mit zwei Filmpremieren und viel Talent auf der Berlinale

Der Film "Marilyn", eine Coming-of-age-Story, hat seine Weltpremiere am 19. Februar auf der Berlinale.

Berlin, 9. Februar 2018. Eine Delegation mit mehr als 40 Filmprofis – darunter Schauspieler, Regisseure und Produzenten – wird in Begleitung des Kultusministers Ernesto Ottone auf der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar) das chilenische Kino repräsentieren. Mit dem Film „Marilyn“, einer Coming-of-age-Geschichte aus der südamerikanischen Pampa sowie „La casa lobo“ (Das Wolfshaus), einer Fluchtgeschichte, die sich thematisch an die Historie der kriminellen Sekte Colonia Dignidad im Süden Chiles anlehnt, sind zwei hochkarätige Premieren im Programm. Und bei den „Berlinale Talents“ ist Chile mit vier Filmschaffenden vertreten.

"Das chilenische Kino erlebt aktuell eine sehr außergewöhnliche und kreative Phase. Das zeigt etwa der Erfolg solcher Filme wie Eine Fantastische Frau von Regisseur Sebastián Lelio, der erst kürzlich den Goya gewann und nun sogar für den Auslandsoscar nominiert ist. Ein Grund für die positive und sichtbare Entwicklung des chilenischen Kinos in den vergangenen Jahren ist die Kooperation von öffentlichen und privaten Institutionen sowie die staatliche Politik der Filmförderung, die nun ihre Früchte trägt“, so Kultusminister Ernesto Ottone.

„Marilyn“ von Regisseur Martin Rodriguez läuft auf der Berlinale am Montag, 19. Februar, in „Panorama“. Diese Sektion der Berlinale steht für neue cineastische Impulse, d.h. für Filme, die künstlerische Vision, Mut zum Anderssein, Lust auf Unvertrautes, ungewöhnliche soziale Systeme, vertieftes Geschichtsbewusstsein oder wegweisende Persönlichkeiten zeigen.

Der Film ist eine argentinisch-chilenische Koprodukton - mit den chilenischen Schauspielern Catalina Saavedra und Andrew Bargsted sowie Walter Rodríguez aus Argentinien. „Marilyn“ erzählt die Geschichte von Marco und seiner Familie, die auf einer Ranch leben. Während der Vater und der Bruder die schwersten Aufgaben erledigen, bleibt Marco zu Hause bei seiner Mutter. Die Eltern haben bereits konkrete Zukunftspläne für ihren Sohn, aber Marco wartet nur auf die Zeit des Karnevals, wo er sich allen so zeigen kann, wie er sich wirklich fühlt. Der plötzliche Tod des Vaters hinterlässt speziell den Sohn in einer schwierigen Situation.

Der Film „La casa lobo“ (Wolfshaus) trägt die Handschrift der beiden Regisseure Christopher Leon und Joaquín Cociña. Produziert wurde der Streifen von Catherine Vergara (Deluge). „La casa lobo“ wird unter 44 anderen Titeln im „Forum“ der Berlinale teilnehmen (Donnerstag 22. Februar). „Forum“ steht vor allem experimentelle Arbeiten, Essays und Langzeitbeobachtungen.

Der Film handelt von Maria, die in Südchile aus einer Art Zwangshaft flüchten will. Der Film basiert auf der wahren Geschichte der Colonia Dignidad, der geheimen und kriminellen Sekte, die in den sechziger Jahren von deutschen Einwanderern in Chile gegründet wurde. Die beiden Filmfiguren León und Cociña erzählen die Geschichte, als wären sie Teil der Sekte. Sie geben vor, die Animationsfilmgesellschaft von Colonia Dignidad zu sein und machen den Film so zu einer Art indoktrinierendem Märchen - und das mit einer unverwechselbaren kinematografischen Sprache.

Auch bei den „Berlinale Talents“ ist Chile viermal vertreten. Aus mehr als 3.500 Bewerbungen wählte das Festival 41 lateinamerikanische Talente für die sechs Trainingstage aus, darunter vier Chilenen: die Schauspielerin Gabriela Paz ("Vida de familia", "Bonsai"), den Produzenten von Mimbre Producciones, Rocío Romero; den Regisseur und Produzenten Ramiro Tenorio ("La noche del jabalí") sowie die Schriftstellerin und Regisseurin Shalini Adnani. Berlinale Talents ist die jährliche Networking-Plattform des Berlin Festivals für herausragende Filmschaffende.

Lina Meruane über die Liebe in den Zeiten der Krankheit

Schriftstellerin Lina Meruane. Foto: S. Utreras.

Berlin, 2. Februar 2018. Die chilenische Schriftstellerin Lina Meruane lebt seit 20 Jahren in New York City und verbringt aktuell ein Jahr als DAAD-Künstlerstipendiatin in Berlin. Ihr Roman „Sangre en el ojo“ handelt von einer jungen Frau, die plötzlich auf einer Party in Manhattan erblindet als Folge einer Krankheit. Das Buch erscheint nun in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Rot vor Augen“ (Arche-Verlag). Vor der offiziellen Präsentation am Donnerstag, 8. Februar um 20 Uhr in der DAAD-Galerie hat Lina Meruane mit uns über ihr Werk gesprochen.

Um welche Themen dreht sich der neue Roman "Rot vor Augen"?

Was mich am meisten bewegt hat bei diesem Buch ist die Frage, wie sich die Balance in einer Liebesbeziehung verschiebt und dann neu justiert, wenn einer der beiden Partner erkrankt und vom anderen abhängig wird; in diesem Sinne stellen sich Fragen nach der Verletzlichkeit und ersichtlichen Schwäche der kranken Person. Und auch Fragen danach, ob diese Person dann vielleicht doch stärker oder resilienter ist, als es zunächst den Anschein hat. und in welchem Maß der kranke Mensch denjenigen, der sich um ihn kümmert, zu seinem Lakaien macht.

Künstler Oscar Villalón geht der Trabi-Nostalgie auf den Grund

Berlín, 27. Oktober 2017. Der Künstler Oscar Villalón hat sich eingehend mit den Themen Mauerfall und deutsch-deutsche Wiedervereinigung befasst. Die frühere Automarke Trabant dient ihm dabei als Metapher für die untergegangene DDR, für Freiheit und für die Aufbruchstimmung der 90er Jahre. In seinen Gemälden wird der „Trabi“ recycelt und neu interpretiert. Unter dem Titel „Trabologie“ zeigt Oscar Villalón nun seine Gemälde in der Botschaft. Die Vernissage findet am 9. November um 19:00 Uhr im Chile-Saal statt.

Zur Ausstellung sagt der Künstler: „Ich greife auf den Trabi zurück, ich recycle ihn als ein Remake, das mit all seiner Kraft die Zerstörung der Mauern zum Ausdruck bringen soll, der Mauern von gestern, von heute, der Mauern aller Zeit und so zu Hoffnung wird“ (...). „Ich wuchs zu Zeiten der Pinochet-Diktatur auf, den Fall der Berliner Mauer verstand ich als Symbol der Hoffnung, da er parallel zum Ende des brutalen Regimes stattfand, das Chile fast zwei Jahrzehnte regierte. Auf internationaler Ebene fand der Kalte Krieg ein Ende, und auf naive Art und Weise glaubten wir, dass dies ein Fortschritt in der Entwicklung der Zivilisation sein würde. (...) Das Auto, ein Teil des alltäglichen Lebens der DDR, dieses gescheiterten Getriebes, gewinnt heute für mich als Symbol wieder an Aktualität (...)