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Kultur

Koffer / fremde heimat: Chilenisch-deutscher Künstlerworkshop in Lehnin und Schau in Berlin

Berlin, 16. August 2018. Die Ausstellung Koffer / maleta thematisiert das Leben in "tierra ajena / fremder heimat" und zeigt Werke deutscher und chilenischer Künstler. Eröffnet wird die Schau am Samstag, 15. September um 19 Uhr, in der Galerie Cleartext, Raabestrasse 10, Berlin-Prenzlauerberg. Die Ausstellung ist Teil eines größeren Projekts, bei dem die selben Künstler vom 16. bis 22. September im brandenburgischen Kloster Lehnin bei Potsdam im Rahmen eines interdisziplinären Workshops zusammen arbeiten und sich austauschen. Der Workshop ist für Besucher geöffnet.

Die Chilenen Jorge Gronemeyer, Karen Lüderitz, Alejandra Ruddoff und Paola Vezzani präsentieren ihre Werke in Verbindung mit der Berliner Künstlergruppe META, zu der Katharina Bach, Karl Menzen, Susanne Ruoff, Tatjana Schülke, Renate Wiedemann und Salah Saouli gehören. Die Chilenin Alejandra Ruddoff, die seit neun Jahren in Berlin lebt und 2017 auf der Biennale in Venedig ausgestellt hat, engagiert sich auch auch als Co-Organisatorin des Projektes.

Der Titel „tierra ajena / fremde heimat“ bezieht sich auf ein Konzept des Ethnologen Martin Gusinde, der vor rund einem Jahrhundert, zwischen 1918 und 1924, zu und mit den letzten Überlebenden der indigenen Völker von Feuerland / Tierra del Fuego forschte. Der österreichische Priester und Anthropologe hatte die Ergebnisse seiner Arbeit fotografisch dokumentiert. Er lernte die indigene Sprache und machte Tonufnahmen, um die Kultur zu bewahren. Martin Gusinde war der einzige Europäer, der in die Riten und Bräuche dieser Indianer eingeführt wurde. Die Künstler beziehen ihre Inspiration aus dem Leben und Werk des Antropologen und interpretieren diese aus der aktuellen Perspektive des 21. Jahrhunderts.

Der Workshop vom 16. bis 22. September findet im brandenburgischen Kloster Lehnin statt und ist auch für Besucher geöffnet. Organisiert wird die Tagung vom Lehniner Institut für Kunst und Kultur. Der Workshop hat interdisziplinären Charakter, die Künstler repräsentieren verschiedene Bereiche der Kunst wie Malerei, Skulptur / Installation und Fotografie. Lehniner Institut für Kunst und Kultur  

Patricia Cerda: “Meine Geschichten sind in der Historie Chiles angesiedelt”

 

Berlin, 21. Juni 2018. Violeta und Nicanor Parra zählen zu den bedeutendsten chilenischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Schriftstellerin Patricia Cerda untersucht in ihrem kürzlich erschienenen Roman erstmals die Familiengeschichte der Parras und speziell die Beziehung dieser beiden Geschwister, der Liedermacherin Violeta und des Antipoeten Nicanor. Patricia Cerda ist Historikerin und erwarb ihren Doktortitel an der Freien Universität Berlin. Vor einigen Jahren entschied sie sich, zur Feder zur greifen und historisch-biographische Stoffe, speziell aus Chile, in Literatur zu verwandeln. "Mestiza", ihr erster Roman, zeichnet den Lebensweg einer einfachen Frau aus dem 17. Jahrhundert nach, einer für Chile besonders identitätstiftenden Epoche.

Sie leben seit vielen Jahren in Deutschland und sind inzwischen eine richtige Berlinerin. Welche Beziehung haben Sie derzeit zu Chile?

Chile ist das Land, in dem ich die ersten 25 Jahre meines Lebens verbracht habe. Die Bindung zu meinem Land ist eng und emotional. Für mich ist wichtig zu erfahren, was dort passiert, Gutes wie Schlechtes, da ich Teil dieser Gemeinschaft bin. Mein Zugehörigkeitsgefühl führt dazu, dass meine Geschichten entweder ganz in Chile angesiedelt sind, einen Bezug zum Land haben und / oder die Hauptfiguren Chilenen sind. Schon aufgrund meiner Bücher reise ich mindestens zweimal pro Jahr nach Chile.

Sie interessieren sich sehr für die Historie Chiles. In ihren Büchern zeichnen Sie die Lebensgeschichten von Persönlichkeiten, die Chile emblematisch verkörpern.

Das stimmt und trifft vor allem auf Animallén, die Protagonistin von „Mestiza“ zu. Sie ist eine sehr symbolhafte, wenngleich fiktive Persönlichkeit. Was ihr passierte, widerfuhr dem Königreich Chile in einer prägenden Phase des 17. Jahrhunderts. Ihre Sichtweise ist die einer Frau aus dem Volk. Diese Perspektive gab es vorher nicht. Animallén selbst sieht sich zudem nicht als Opfer.

Künstler Felipe Cusicanqui zeigt Szenen aus seinem Leben und Alltag in Berlin

Berlin, 29. Mai 2018. Der Künstler Felipe Cusicanqui kam vor drei Jahren aus Chile nach Berlin, jetzt legt er eine Auswahl seiner Werke vor, die seine künstlerische Entwicklung während dieser Zeit widerspiegeln. Der Titel der Schau, „Vorbei, verweht, nie wieder“ referiert auf das gleichnamige Gedicht des Künstlers und Journalisten Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1932. Tucholskys Poesie hat Cusicanqui dazu inspiriert, die Beziehung zweier Welten zu ergründen: die der Stadt und die Welt des Waldes rund um Berlin. Die Vernissage findet am Montag, 4. Juni, um 19 Uhr in den Räumen der Botschaft statt.

Welche Fragen und Themen beschäftigen Dich aktuell in Deiner Kunst?

Es sind Szenen aus meinem Leben und Alltag in Berlin aus den vergangenen drei Jahren. Bei meiner Arbeit hat mich die wiederholte Lektüre von Werken der deutschen Romantik inspiriert sowie deren Auswirkungen bis in die Gegenwart. Ein zentrales Thema ist daher die Landschaft. Ich habe in den Bildern Materialien verwendet, die ich in der Stadt gefunden habe, wie zum Beispiel gebrauchte Obstkisten, liegengelassene Bücher oder abgelegte Kleidungsstücke. Ich möchte einen Dialog herstellen zwischen diesen Materialien und dem Bild, das durch sie erzeugt wird.

Wie hat die Zeit in Berlin Dich und Deine Arbeit verändert?

Das Leben hier hat mich vor allem aus meiner Komfortzone herausgeholt und mich in eine Situation gebracht, in der ich mich neu erfinden musste, so etwa im Hinblick auf meine bisherige Vorstellung von Identität. Auch was die deutsche Sprache, Landschaft und Geschichte betrifft, haben die Erfahrungen in Berlin mein Spektrum erweitert – schon allein in punkto Experimentierfreude. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen haben nach und nach meine Sichtweisen verändert und ich glaube, dass man es meinen Bildern ansieht.