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Kultur

"Fantastische Frau": Zweiter Oscar für das chilenische Kino

Berlin, 5. März 2018. Der Film “Eine Fantastische Frau” von Regisseur Sebastián Lelio hat den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen. Zum ersten Mal ging der Auslands-Oscar damit nach Chile. Der weltweite Erfolg dieses Films setzte bereits 2017 ein, als Sebastián Lelio und Gonzalo Maza auf der Berlinale den Silbernen Bären für das beste Drehbuch erhielten.

Später folgten der spanische Filmpreis Goya für den besten iberoamerikanischen Film sowie die Nomination für einen Golden Globe. „La Mujer Fantástica“ beschreibt das Leben der Transgender-Frau Marina Vidal (Daniela Vega), einer Sängerin in Santiago, die sich mit Vorurteilen und sozialer Diskriminierung auseinandersetzen muss – vor allem nach dem Tod ihres 20 Jahre älteren Partners, als ihr das Recht verwehrt wird, im Beisein der Familie um ihren geliebten Menschen zu trauern.

Chile mit zwei Filmpremieren und viel Talent auf der Berlinale

Berlin, 9. Februar 2018. Eine Delegation mit mehr als 40 Filmprofis – darunter Schauspieler, Regisseure und Produzenten – wird in Begleitung des Kultusministers Ernesto Ottone auf der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar) das chilenische Kino repräsentieren. Mit dem Film „Marilyn“, einer Coming-of-age-Geschichte aus der argentinischen Pampa sowie „La casa lobo“ (Das Wolfshaus), einer Fluchtgeschichte, die sich thematisch an die Historie der kriminellen Sekte Colonia Dignidad im Süden Chiles anlehnt, sind zwei hochkarätige Premieren im Programm. Und bei den „Berlinale Talents“ ist Chile mit vier Filmschaffenden vertreten.

"Das chilenische Kino erlebt aktuell eine sehr außergewöhnliche und kreative Phase. Das zeigt etwa der Erfolg solcher Filme wie Eine Fantastische Frau von Regisseur Sebastián Lelio, der erst kürzlich den Goya gewann und nun sogar für den Auslandsoscar nominiert ist. Ein Grund für die positive und sichtbare Entwicklung des chilenischen Kinos in den vergangenen Jahren ist die Kooperation von öffentlichen und privaten Institutionen sowie die staatliche Politik der Filmförderung, die nun ihre Früchte trägt“, so Kultusminister Ernesto Ottone.

„Marilyn“ von Regisseur Martin Rodriguez läuft auf der Berlinale am Montag, 19. Februar, in „Panorama“. Diese Sektion der Berlinale steht für neue cineastische Impulse, d.h. für Filme, die künstlerische Vision, Mut zum Anderssein, Lust auf Unvertrautes, ungewöhnliche soziale Systeme, vertieftes Geschichtsbewusstsein oder wegweisende Persönlichkeiten zeigen.

Lina Meruane über die Liebe in den Zeiten der Krankheit

Schriftstellerin Lina Meruane. Foto: S. Utreras.

Berlin, 2. Februar 2018. Die chilenische Schriftstellerin Lina Meruane lebt seit 20 Jahren in New York City und verbringt aktuell ein Jahr als DAAD-Künstlerstipendiatin in Berlin. Ihr Roman „Sangre en el ojo“ handelt von einer jungen Frau, die plötzlich auf einer Party in Manhattan erblindet als Folge einer Krankheit. Das Buch erscheint nun in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Rot vor Augen“ (Arche-Verlag). Vor der offiziellen Präsentation am Donnerstag, 8. Februar um 20 Uhr in der DAAD-Galerie hat Lina Meruane mit uns über ihr Werk gesprochen.

Um welche Themen dreht sich der neue Roman "Rot vor Augen"?

Was mich am meisten bewegt hat bei diesem Buch ist die Frage, wie sich die Balance in einer Liebesbeziehung verschiebt und dann neu justiert, wenn einer der beiden Partner erkrankt und vom anderen abhängig wird; in diesem Sinne stellen sich Fragen nach der Verletzlichkeit und ersichtlichen Schwäche der kranken Person. Und auch Fragen danach, ob diese Person dann vielleicht doch stärker oder resilienter ist, als es zunächst den Anschein hat. und in welchem Maß der kranke Mensch denjenigen, der sich um ihn kümmert, zu seinem Lakaien macht.