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Deutsch-Chilenische Energiepartnerschaft fördert Good Governance und Geschäftschancen

Diplomat Francisco Ulloa, Erster Botschaftssekretär, bereitet die geplante bilaterale Energiepartnerschaft als Vertreter der chilenischen Regierung in Berlin vor.  

Berlin, 8. Januar 2019. Chile und Deutschland werden in diesem Jahr eine gemeinsame Erklärung unterzeichen, die eine engere Zusammenarbeit bei den Themen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kohleausstieg vorsieht. Die gemeinsamen inhaltlichen Impulse für diese Energiepartnerschaft werden aktuell in einem Dialogforum erarbeitet.

An dem Auftaktworkshop in Berlin nahmen kürzlich Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi), der Gesellschaft für Internationale Zuammenarbeit (GIZ), der Deutsche Energie-Agentur (DENA) sowie der Botschaft und des chilenischen Energieminsteriums teil. Auch das Auswärtige Amt sowie das Bundesumweltministerium (BMU) waren vertreten.

Seit rund zwei Jahrzehnten arbeiten Chile und Deutschland bereits sehr erfolgreich im Bereich Eneuerbare Energie und Klima zusammen. Die Partnerschaft soll nun alle Aktivitäten, Initiativen und Projekte zum Thema gezielt ausrichten. “Neun von zehn bilateralen Kooperationsprojekten zwischen Deutschland und Chile der vergangenen zehn Jahre waren und sind mit Energiethemen befasst“, sagte Botschafterin Cecilia Mackenna zum Auftakt des Workshops. „Auf der deutschen Seite ist Chile seit 2008 ein offizieller Länderfokus“, unterstrich Wolfdieter Böhler, Referatsleiter Energiekooperationen im Bundeswirtschaftsministerium. Für das chilenische Energieministerium sprach Ivar Vargas, Koordinator für bilaterale Angelegenheiten. Er hob den Nutzen der Energiepartnerschaft für Chile im Bereich Knowhow und Technologietransfer hervor.

Auf der Basis des geplanten Abkommens soll eine Art gemischter politischer Kommission mit Vertretern der Regierung beider Länder enstehen, ein sogenannte „high-level steering comitee“, das sich einmal jährlich trifft, um die großen Ziele abzustecken. Innerhalb dieses Komitees werden dann drei Arbeitsgruppen zu diversen Themenbereichen gebildet.

Schon seit den 1990er Jahren engagiert sich die GIZ in Chile, Anfang der Jahrtausendwende wurden dann erstmals einige internationale Klimaschutzprojekte aufgelegt: So entstand das GIZ-Energieprogramm in Chile. Inzwischen bilden die Themen rund um Umwelt, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz den Schwerpunkt der Arbeit in dem Büro in Santiago mit 50 Mitarbeitern.

2014 förderte die deutsche Entwicklungsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) den Ausbau des ersten solarthermischen Kraftwerks CSP in Lateinamerika in der Region Antofagasta. 2015 wurde, von Chile finanziert, in Santiago das Fraunhofer Center for Solar Energy Technolgies eröffnet, ein Ableger des Fraunhofer ISE Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg. Der Fokus der Arbeit liegt im Bereich Forschung und Entwicklung. Angewandte Wissenschaft soll helfen, konkrete Probleme der Industrie zu lösen.

Und seit diesem Jahr gibt es in Antofagasta das Institut für Solarforschung namens „Atacama Module System Technology Center“, eine öffentliche Initiative, die das Ziel verfolgt, mittelfristig die Produktion von maßgeschneiderten Solarzellen in Chile zu emöglichen. Die Kooperationspartner dieses Instituts sind das International Solar Energy Research Center ISC Konstanz, Fraunhofer Chile, das französische Institut National de l’Energíe Solaire (CEA INES) sowie das chilenische SERC (Solar Energy Research Center).

Der wichtigste Impuls zur Energiewende kam in Chile im Jahre 2004, als infolge einer Energiekrise die Abhängigkeit des Landes von ausländischer Energie offenbar wurde. Um langfristig für Energiesicherheit zu sorgen und größere Unabhängigkeit von importierter Energie zu gewährleisten, wurden dann erste Gesetzesvorhaben und Initiativen beschlossen, um die Erneuerbaren zu fördern, im Hinblick auf den Anteil an der Energiematrix, wie auch hinsichtlich von Maßnahmen zur Energieeffizienz.

Im Jahre 2010 wurde schließlich das chilenische Energieministerium gegründet. Es schafft den regulatorischen Rahmen, koordiniert Initiativen und Ausschreibungen und stellt Informationen zur Verfügung. Aber anders als etwa in Deutschland sind die Ausschreibungen technologieneutral, d.h. die Erneuerbaren Energien konkurrieren direkt mit den konventionellen Energien. Es gibt auch keine staatlichen Subventionen (wie z.B. die deutschen „Feed-in-Tariffs“). Dies impliziert, dass in Chile eher die Wirtschaft der Hauptakteur ist, wohingegen die Energiewende in Deutschland stärker durch den Staat definiert wird.

„Was kann Deutschland von Chile lernen? Und was kann Chile von Deutschland lernen?“ war daher ein Thema beim Expertenworkshop in Berlin. „Neben dem politischen Dialog auf höchster Ebene geht es bei der Energiepartnerschaft in erster Linie darum, die Good Governance zu fördern und sich über ‚Best Practice‘ auszutauschen und somit auch ein gutes Business-Umfeld zu schaffen“, sagte Francisco Ulloa. Der Diplomat ist in der Botschaft für Energiethemen zuständig und zeichnet damit - als Vertreter der Regierung – für die Vorbereitung der Energiepartnerschaft auf chilenischer Seite verantwortlich.

„Wir möchten deutsche Unternehmen ermutigen, in Chile noch stärker in Technologien für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren“, erklärte Wolfdieter Böhler vom BMWi. „Für uns ist Chile ein exzellentes Beispiel dafür, dass eine Energiewende auch für Schwellenländer möglich ist.“

In Chile seien die größten Herausforderungen der Energiewende aktuell eher kultureller Art denn technischer Natur, fügte Marcelo Padilla vom Energieministerium (Abteilung Nachhaltige Energie) hinzu. „Wir müssen Themen wie Energieeffizienz noch viel stärker kommunikativ in unserer Gesellschaft verankern. Und wir haben großen Bedarf an Fachwissen, qualifiziertem Personal und mehr Risikobereitschaft.“

Dr. Harald Neitzel (Bundesumweltministerium, Internationale Angelegenheiten), Drina Bascón (Wirtschaftberaterin ProChile), Wolfdieter Böhler (Koordinator für Energiepartnerschaften im Bundesminsterium für Wirtschaft, BMWi), Botschafterin Cecilia Mackenna, Michael Leibrandt (Internationale Energiekooperationen, BMWi).